LOKAL

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„Das etwas andere Lebensmittelgeschäft“

Am 4. Juni hat an der Feldbergstrasse ein neuer Laden aufgemacht. Das Besondere: Im Lokal bekommt man ausschliesslich Lebensmittel aus lokalen Kleinproduktionen wie z.B. Bauernhöfen. Mit saisonalen und lokalen Produkten setzt sich Esther für den bewussten Konsum und ein nachhaltiges Ernährungssystem ein. Ich habe mit Esther über ihre Motivation gesprochen und wieso wir mehr Slow Food essen sollten.

Wer bist du und woher kommst du?
Ich bin Esther, 29, komme ursprünglich aus dem Kanton Schaffhausen, mit 18 kam ich fürs Studium nach Basel. Ich habe einen Bachelor in Kunstgeschichte und Medienwissenschaften und einen Master in Bildforschung und Visueller Kommunikation. 
Ich habe mehrere Jahre im Kommunikationsbereich gearbeitet, zuletzt war ich verantwortlich für die Kommunikation des Basler Auftritts an der Expo 2015 in Milano mit dem Thema Welternährung.

Dadurch habe ich mich während anderthalb Jahren sehr intensiv mit dem Ernährungssystem auseinandergesetzt – dies fand ich extrem spannend: Man sieht das Ernährungssystem, in welchem wir drin sind und welche Schäden dies anrichtet. Irgendetwas stimmt da nicht, so kann es nicht weiter gehen! Es ist völlig ungerecht verteilt.

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Was hat dich inspiriert das LOKAL zu gründen?
Ein Zünder war ein Film über das Transition Movement. Als ich diesen Film sah, wusste ich, ich muss etwas machen!
Das hat so eine Welle ausgelöst. Das Transition Movement hat mich sehr inspiriert. Dieser Film hat wirklich mein Leben auf den Kopf gestellt!

„Jeder kann und jeder muss etwas machen.“

Ich habe realisiert, dass die grössten Umweltprobleme mit dem Ernährungssystem zusammenhängen. Das ist der Punkt, an dem wir am einfachsten etwas verändern können.
Recycling und kein Auto fahren sind für mich sowieso selbstverständlich.

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Die Leidenschaft für lokale Ernährung woher kommt die ?
Ich weiss nicht, ob Leidenschaft das richtige Wort ist. Es war sicher so, dass ich einfach etwas machen wollte. Was kann eine einzelne Person verändern? Leider sagen viele Leute, ich bin nur eine Person, da passiert ja nichts. Das ist aber Blödsinn, denn wenn 1000 Leute sich ändern, passiert sehr wohl etwas.

Die Leidenschaft für feines Essen hat sich ergeben, als ich selber angefangen habe, mich gesund und nachhaltig zu ernähren.

Ich habe gemerkt, wieviel Spass und wieviel Freude ich habe, diese lokalen Produkte zu essen und damit zu kochen. Es ist ja immer so, dass je mehr du über etwas weißt, desto grösser wird die Auseinandersetzung und die Freude am Produkt.

„Qualität statt Quantiät – Wenn man also qualitative Produkte hat, brauch man dafür nicht mehr so viel.“

Wo siehts du die grössten Probleme im Ernährungssystem?
„Man ist, was man isst!“  Das ist das Brutale, dass man den Leuten heutzutage ansieht dass sie sich ungesund ernähren. So viele gesundheitliche Probleme, so viel Geld für Medikamente! Es braucht Bildung; da gibt es noch einen riesigen Nachholbedarf und gleichzeitig viel Potenzial.

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Wie kam es, dass du beschlossen hast, das LOKAL zu eröffnen?
Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr im Marketingbereich arbeiten möchte, weil es am Ende doch nur um Geld und Zahlen geht. Darum habe ich gesagt, nicht mit mir. Es braucht die Zivilgesellschaft die aktiv wird, sonst verändert sich nichts. Was gibt es ausser den Markt, wo ich gerne einkaufen gehe?

Der Laden war dann einfach die Konsequenz davon. So kann ich mehr Leute erreichen und für ein nachhaltiger Lebensstil begeistern, Leute die nicht in meinem Freudeskreis sind und auch solche, die noch nicht so sensibilisiert oder in diesem Umfeld sind. So kam ich auf die Idee.

„Ich geh nicht mehr gerne in Coop und Migros einkaufen, es braucht so viel Zeit, Labels vergleichen und dann die Sachen abzuwägen.  – Es hat einfach immer weniger Spass gemacht zu posten!“

Wiso hast du für dein Laden die Feldbergtrasse ausgesucht?
Es sollte einfach lokal und zentral liegen damit auch Laufkundschaft den Weg hierhin findet.

Von Anfang an war klar, dass ich das Projekt mit dem Laden nur im Kleinbasel mache, denn dort fehlte so etwas. Das Grossbasel ist schon gesättigt mit der Markthalle und eben den anderen Projekten wie Emmas Kauflokal oder dem Radius 39.

Das Konzept vom LOKAL?
Die Leute zum nachhaltigen Einkaufen verleiten. Ich wollte nicht nur Lebensmittel verkaufen, sondern auch ein Vorbild sein und ein neues Angebot schaffen. Die Ideologie von einer nachhaltigen Ernährung, sowie die Philosophie von Slow Food, vermitteln.

Saisonal ist mir sehr wichtig. Einfach um zu zeigen, dass es nicht alles das ganze Jahr gibt. Um das Bewusststein zu schärfen, denn wenn man nicht weiss was saisonal ist, ist es schwierig saisonal einzukaufen. Hier im Laden oder auf dem Markt ist es immer saisonal.

Was bedeutet für dich nachhaltige Ernährung?
Nachhaltige Ernährung ist wirklich ein schwieriges Thema: Vegetarisch versus Fleisch oder Bio Gemüse aus Spanien besser als Schweizer Lageräpfel?

Konsens besteht, wenn die Bedingungen “saisonal” und “lokal” erfüllt sind. Da kann man nicht viel falsch machen. Wenn ich saisonal und lokal einkaufe, kann ich meinen Beitrag zur Ernährung leisten.

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„Wenn man sich wirklich nachhaltig ernähren möchte kann man das auch mit wenig Geld.“

Kannst du kurz erklären, was „Slow Food“ bedeutet?
Slow Food setzt sich dafür ein, das auf der ganzen Welt die lokale Wirtschaft gestärkt wird. Dass sich die Leute vor Ort mit dem ernähren können, was sie anbauen. Die Traditionen und das Wissen sollen erhalten bleiben. Durch die Konventionalisierung und Industrialisierung in der Landwirtschaft ging in den letzten 100 Jahren viel Wissen verloren und dagegen kämpft Slow Food an. Mit dieser Philosophie kann ich mich sehr gut identifizieren. Darum wollte ich auch unbedingt mit Kleinproduzenten zusammen arbeiten.

Warum gerade Kleinproduzenten?
Gerade Kleinproduzenten sind meistens Familienbetriebe, wo dieses Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wird. Ich habe das Gefühl, wenn es diese nicht mehr gibt, wäre auch das Wissen sehr bald weg. Das wäre mega schade!

Es ist wichtig, dass wir Kleinproduzenten unterstützen. Es gibt so viel Druck, es ist nicht nur der Preis, sondern auch das Land. Sie arbeiten sehr viel und haben kaum Ferien. Es ist eigentlich wahnsinnig was ein Landwirt alles können muss. Er muss nicht nur anbauen, das Wetter kennen, sondern seine Produkt auch vermarkten und kommunizieren. Das sind viele Qualitäten und wichtige Eigenschaften, dafür sind diese Leute einfach miserabel bezahlt mit diesem Anforderungsprofil. Dieser Beruf wird extrem unterschätzt und leider viel zu wenig wertgeschätzt.

Was ist das Schönste an deiner Arbeit?
Produkte zu recherchieren und Produzenten zu besuchen. Diese persönlichen Kontakte sind wichtig und für beide Seiten spannend. Ich habe unglaublich viel über die Lebensmittel und Produktionsweisen gelernt, das hat sich extrem gelohnt.

Hast du eine spezielle Geschichte zu einem Produkt?
Geschichten gibt es tausende. Für mich sind es nicht einfach nur Produkte, sondern auch die Menschen, die dahinter stehen. Zum Beispiel dieses Produkt von Erntegut, drei junge Männer haben einen Verein gegründet, sie gehen Gemüse und Früchte aus Überproduktion einsammeln und machen damit Chutneys und Konfitüren um so auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. Dieser Nachhaltigkeitsgedanke ist in vielen meiner Produkten drin.

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Hast du ein Lieblingsprodukt?
Eins von meinen Lieblingsprodukten ist das Urdinkel Kernotto. Das kochst man wie Risotto aber schmeckt noch besser. Kernotto wächst hier, darum macht es Sinn, dass ich das esse! Es hat nicht nur eine spannende Geschichte, weil es ein altes Getreide ist, sondern es ist auch sehr nahrhaft und hat viele wertvoll Inhaltsstoffe.
Speziell daran ist die schonende Verarbeitung mit einer 300 Jahre alten Mahltechnik. Das Getreide wird nicht erhitzt, im Gegensatz zum anders wie zum konventionellen Weizen, sondern sorgfältig gemahlen, so bleiben alle Vitamine und Nährstoffe erhalten.

Vielen Dank für das Gespräch liebe Esther und viel Erfolg mit dem Lädeli!

Lokal
Feldbergstrasse 6
4057 Klein-Basel
Dienstag – Freitag: 10:00 – 14:00 und 16:00 – 20:00
Mittwoch: 10:00 – 18:30
Samstag: 14:00 – 20:00
Sonntag: 09:00 – 14:00

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