Gleis 1 Bier

Gleis 1 Bier
Interview mit Thomas Steiner

Wer ist die Gleis 1 Brauerei?
Gleis 1 Bier ist ein Hobbybrauverein. Wir waren ursprünglich vier Gründungsmitglieder, jetzt sind wir zu sechst.
Ich bin Kindergärtner, René ist Systemtechniker, Martin arbeitet im Theater und Giacomo ist pensioniert. Uns verbindet die Freundschaft und die Leidenschaft fürs Bier brauen. René und ich waren von Anfang an dabei, später kamen die anderen noch dazu, dann haben wir den Verein gegründet und die Brauerei gebaut.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Gleis 1 Bier zu gründen?
Wir haben als Hobbybrauer angefangen, zuhause mit der Pfanne. Mit einem Paella Kocher und einer 35 Liter Pfanne, so konnten wir jeweils 20 Liter Bier brauen. Mit dieser Methode haben wir sicher vier Jahre bei mir im Atelier für einen Event Bier gebraut.

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Irgendwann wurde uns das zu anstrengend, immer nur 20 Liter auf dieser Anlage zu brauen. Dann haben wir uns hier, im Stellwerk, direkt neben dem  Bahngleis 1, eingemietet, daher auch der Name. Wir haben alles selbst gebaut und auch finanziert. Wir sind unabhängig, wir haben keine Verträge mit Beizen, es gehört alles uns. Wenn wir wollten, könnten wir morgen aufhören. Im Stellwerk sind wir jetzt seit 2011, also schon fünf Jahre. So ist Gleis 1 Bier entstanden.

Wo habt ihr euer Handwerk gelernt?
René war im Unser Bier-Verein und hat dort ein Tageskurs im Bier brauen gemacht. Dann kam er zu mir, und hat gefragt, ob ich nicht auch mein eigenes Bier brauen möchte. Mir gefiel die Idee, ich wusste aber nicht so recht wie, kochen konnte ich zwar… René hatte zum Glück alles aufgeschrieben. Den Rest haben wir uns selbst und über Fachliteratur beigebracht .

Euer Konzept?
Wir brauen nur je nach Bedarf, saisonal, rein handwerklich und in kleinen Mengen. Es war uns wichtig, als wir die Anlage gebaut haben, den Brauvorgang als Handwerk zu belassen, nicht alles vollautomatisch und programmiert, sondern so, dass man auch etwas machen muss: Schläuche umhängen, also sehr viel manuelles Arbeiten.

Zu Beginn wollten wir eine kleinere Anlage bauen, haben aber keine passenden Tanks zum Einbauen gefunden. Jetzt können wir 350 bis 400 Liter brauen. Wir haben viele Rezepte selber ausgetüftelt, haben immer wieder etwas ausgebessert und optimiert und es hat funktioniert!

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Wir wollen auch nicht mehr grösser werden. Die Anlage und der Ort bieten sich dafür nicht an. Wir haben auch nie Werbung gemacht, es hat sich einfach herumgesprochen. Es war auch keine Geschäftsidee dahinter, sondern einfach ein Hobby.

Wir machen es ja nicht wirtschaftlich und 3 Franken sind immer noch günstig, dafür, dass alles Handarbeit ist.

„Wenns einer will, soll er den Preis bezahlen und sonst trinken wir es selber.“

Eure Philosphie?
Eigentlich ist das hier entstanden, weil wir unser eigenes Bier wollten, dass sich abhebt vom industriellen Bier. Es war nie das Ziel, zu produzieren, um gross zu verkaufen oder damit Gewinn zu machen. Wirklich einfach als Hobby, weil wir’s gut haben zusammen. Kleine Mengen verkaufen wir aber gerne an Bierliebhaber.

„ Es het solang’s het.“

Was ist das Wichtigste um so gutes Bier zu machen?
Wichtig ist, dass man ein Rezept hat, das “verhebt”. Dann ist es wichtig, dass man auf die Temperaturen achtet und diese auch einhält. Denn nur so kann das Malz die guten Aromen freigeben. Ein gutes Bier braucht Zeit. Wir lassen unsere Biere bis zu acht Wochen in der Flasche reifen, denn nur so kann sich der Geschmack voll entwickeln.

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Ihr braut saisonale Biere mit lokalen Holunderblüten und Waldmeister… Wo findet ihr Inspiration für neue Bier-Kreationen?
Wir sind Genussmenschen! Ich war eigentlich nie gross der Biertrinker, eher Wein und gutes Essen. Aber ich koche sehr gerne, wir alle kochen und geniessen sehr gerne. Dann macht man das beim Bier halt auch.

Ihr macht ein IPA, Red Ale, Gold oder Schwarz Bier. Wie unterscheiden sich die?
Es kommt auf das Rezept auf der einen Seite und dann auf die Malzsorte an. Jedes unserer Biere soll einzigartig sein, wir probieren viel aus, machen kleine Testsude und passen Rezepte an. Am Red Ale zum Beispiel waren wir relativ lange daran, bis wir zufrieden waren. So entstehen neue Rezepte.

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Was ist das schönste an eurem Handwerk?
Das Schönste finde ich, dass man ein Produkt selber machen und dann auch trinken kann. Wir haben alles selber gebaut, es funktioniert und es gibt ein gutes Bier. Ich erinnere mich, als wir ganz frisch angefangen haben und die erste Beiz unser Bier verkaufte. Da sass jemand mit unserem Bier auf dem Tisch und hatte wahrscheinlich keine Ahnung, wie es entstanden ist – da war ich schon stolz. Das “Machen” und dann ein tolles Produkt zu haben, das finde ich das “Lessigste”.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und das feine Bier.

Gleis 1 Bier kann man an folgenden Orten geniessen:

Gleis 1 Braukeller Mi 18-20h
Concierge Bar 
Consum
Bollwerk Buvette
Restaurant Nordbahnhof
Buffet Stellwerk
Giardino Urbano

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