Domaine du Geissberg

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Domaine du Geissberg

Biederthal, Frankreich

Nicht weit von der Schweizer Grenze, im nahen Frankreich genauer in Biederthal liegt die Domaine du Geissberg. Seit mehr als 20 Jahren wird auf dem Hof nach bio dynamischen Richtlinien Frischkäse mit der Milch von den eigenen Ziegen hergestellt. Diesen wird jeweils Samstags auf dem Marktplatz in Basel verkauft. Mittlerweile ist die Familie gewachsen, so dass nun auch ein Hofladen und weitere Produkte dazugekommen sind. Wie sich dieser Hof entwickelt hat und wer dahinter steht erfährt ihr im Folgenden. 

Im Gespräch mit Stéphane Fernex

Was ist deine Geschichte, wer bist du?
Ich bin Stéphane Fernex, hier in Biederthal, auf dem Hof meiner Eltern, aufgewaschen. Sie hatten ein paar Schweine, aber vor allem Geissen. Mein Vater hat 1991 mit dem Hof angefangen, also vor 26 Jahren. Am Anfang war alles viel kleiner, mein Vater wollte einfach Milch verarbeiten, daraus Käse machen und diesen verkaufen. Die Milch dafür wollte er ursprünglich von einem Nachbarsbauern kaufen, aber in Bio-Qualität. Leider hat das nicht geklappt, darum hat er sich entschieden die  Milch selber zu produzieren. Mit Kühen wäre das Projekt damals allerdings aus Platzgründen gar nicht möglich gewesen, darum sind es jetzt Geissen. 

Du bist 2012 auf dem Hof miteingestiegen, wie kam es dazu?
Nach der Ausbildung war für mich klar, dass ich wieder auf den Hof meiner Eltern zurück möchte. 2009 sind ich und meine Partnerin dann mit der Familie auf den Hof meiner Eltern zurückgekommen. Die ersten drei Jahre waren wir angestellt, seit 2012 bin ich für den Betrieb mitverantwortlich.

Ich wusste schon immer, dass ich in die Landwirtschaft möchte. Es war mir aber wichtig,  zuerst zu studieren und etwas anderes zu sehen. Ich wollte raus und sehen wie das Konventionelle funktioniert. Ich bin nach Afrika gereist und wollte dort etwas mit Landwirtschaft machen. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich als Europäer denen nichts werde beibringen können. An der ETH habe ich dann ein Studium in Umweltwissenschaften angefangen aber bald nach Bern an die Hochschule für Landwirtschaft gewechselt.  Zeitgleich hat meine Frau die Schule für bio-dynamischen Landbau im Elsass angefangen. Nach nur zwei Monaten bin auch ich dorthin umgestiegen.

Was ist dir am meisten geblieben durch all diese Erfahrungen?
Es gibt viele verschiedenen Methoden und Möglichkeiten in der Landwirtschaft. Die Eine, Richtige, gibt es nicht. Den Anbau muss man immer dem Klima und dem Boden anpassen. In der konventionellen Landwirtschaft ist der Boden allerdings leider nicht mehr wichtig. Die Pflanze hat den Boden nur noch, damit sie steht. Die Nährstoffe werden mit dem Dünger von oben zugeführt. Ich habe schnell realisiert, dass es dort hauptsächlich um Gewinnoptimierung geht und weniger um das Handwerk.

Was hat sich seit deinem Einstieg in den Betrieb verändert?
Um mehr Familien ernähren zu können, mussten wir den Hof vergrössern. So haben wir uns zuerst mit dem Nachbarn zusammengetan und die beiden Höfe 14 und 12 Hektar zusammengelegt. Dann haben wir uns entschieden einen Angestellten für die Käserei einzustellen. So sind wir von einer auf vier Familen gekommen, die von diesem Betrieb leben müssen: Meine Famile, meine Eltern, der Nachbar sowie der Käser mit ihren Familen. Jetzt haben wir 55 Geissen, das Ziel wäre 80, dazu haben wir 15 Milchkühe plus die Jungen sowie Legehennen. 

Die Anzahlen 15 und 80 basieren auf einer sehr genauen Berechnung damit alle von diesem Betrieb leben können. Jedes Mal, wenn sich eine weitere Familie anschliessen würde, müssten wir einen neuen Produktionszweig einführen oder die bestehende Produktion vergrössern. So sind jetzt auch ein Hofladen und eine Bäckerei dazugekommen. 

Ihr seid ein Familienbetrieb, Wie organiseirt ihr euch?
Den Betrieb führen wir zu dritt, wichtige Entscheidungen treffen wir im Konsens.  Mein Vater ist verantwortlich für die Ziegen und die Käserei, ich bin für die Kühe, alle Aussenarbeiten (Heuen, Landarbeit, Getreideanbau) und das Büro zuständig. Der Nachbar kümmert sich um die Maschinen. Meine Frau sorgt für die Kinder und geht zwei Mal pro Woche auf den Markt.

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Was ist das Konzept von eurem Hof?
Unser Hof gleicht vom Modell her einem Schweizer Hof. Kleiner Betrieb, mit wenigen Tieren und guten qualitativen Produkten.
Unser Hauptzweig ist die Milchproduktion, daraus machen wir Käse. Zudem haben wir etwas Ackerland, dort bauen wir Getreide an, aus dem Mehl machen wir Brot. Dann haben wir ein paar Apfeltbäume, dami machen wir Apfelsaft.

Was ist die Philosphie hinter euren Produkten?
Das Ziel ist, mit dem was wir auf dem Hof haben, möglichst viel zu machen. Es wird fast nichts zugekauft. Alles was wir verkaufen, haben wir hier auf dem Hof produziert.  

DSC_0141_1Unsere Produkte sind saisonal und bio-dynamisch hergestellt. Zum Beispiel gibt es in der Zeit bevor die Geissen die Jungen bekommen keinen Käse, da sie dann keine Milch geben. Das ist ein natürlicher Vorgang, den wir respektieren. Wir arbeiten wirklich mit dem, was wir haben.

Was bedeutet bio-dynamisch?
Ziel ist, das wir auf dem Hof eine geschlossenen Produktion, also ein Kreislauf haben. Demeter ist das älteste Bio Label das es gibt, es ist eine Marke mit ganz klaren Richtlinien. Zum Beispiel darf man die Tiere nicht enthornen und das Futter muss vom Hof kommen. Dann arbeiten wir noch mit bio-dynamischen Präparaten, die wir in den Kompost und auf den Feldern einbringen.

Wie unterscheidet sich euer Hof von einem konventionellen Hof?
Der grosse Unterschied ist, dass wir schonend und Ressourcen erhaltend mit dem Land arbeiten und natürliche Möglichkeiten ausschöpfen. Wenn wir Getreide anbauen, versuchen wir, das Land so gut wie möglich zu bearbeiten, wir erhalten dann den Ertrag, der mit diesem Boden möglich ist. Die Anderen geben verschiedene chemische Hilfsmittel zu, damit sie auf den entsprechenden Ertrag kommen.

Unsere Kühe produzieren natürlicherweise je ungefähr 4000 Liter im Jahr. Eine konventionelle Kuh muss bis zu 12000 Liter Liter Milch geben. Der Landwirt verfüttert diesen Kühen allerdings Flüssigzucker und Proteine, damit sie entsprechend mehr produzieren. Dadurch sind diese Tiere viel empfindlicher und haben mehr Krankheiten. Bei uns sind die Tiere sehr gesund, das zeigt sich dann natürlich auch in der Milch und im Käse.

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Der belohnenste Aspekt an deiner Arbeit?
Das ich ein gutes Produkt machen kann. Wenn die Leute zufrieden sind und sich der Käse gut verkauft, dann ist das ein gutes Zeichen.


“Der direkte Bezug zum Verbraucher nimmt in der Landwirtschaft immer mehr ab. Viele produzieren für eine Grossfirma, welche die Preise immer weiter runterdrückt. Der Kunde weiss nicht, woher seine Produkte kommen. Landwirte arbeiten viel aber können fast nicht mehr davon leben, sie bekommen auch nie ein Dankeschön. – 
Bei uns ist das anders, durch den Direktverkauf sind wir in Kontakt mit den Leuten, bekommen Rückmeldung und wissen so auch, was wir verbessern können. – Es wird auch für den Konsumenten immer wichtiger, zu wissen, woher das Produkt kommt.”

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Was ist das wichtigste, um so guten Käse wie den euren zu machen?
Das wichtigste ist, dass man jeden Tag immer versucht, besser zu werden. Ich versuche immer herauszufinden, was ich noch verbessern könnte.

Was ist die grösste Herausforderung als Kleinproduzent?
Dadurch, dass wir ein kleiner Betrieb sind und trotzdem viele Menschen mitwirken, müssen wir viele verschiedene Aufgaben ausführen. Da steckt sehr viel Logistik dahinter, das bedeutet viel Organisation. 

Typischer Tagesablauf?
Am Morgen melken, Tiere füttern, einsträuen. Dann bin ich meist im Büro. Am Nachmittag Marktvorbereitung, oder Feldarbeit. Am Abend gehen wir nochmals melken.
Das Melken bestimmt den Tagesrhythmus: jeden Tag, die ganze Woche über, das ganze Jahr. 

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“Wir melken die Ziegen von Hand, dafür brauchen wir zu zweit rund anderthalb Stunden, je zwei Mal pro Tag. Wir melken bewusst von Hand, es ist etwas was wir gerne machen. wir möchten uns diese Zeit nehmen für die Tiere und für uns. Im Sommer melken wir auf der Weide, das ist besonders schön.”

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Was würdest du verändern, unabhängig von finanziellen Mitteln?
Ich würde gerne selber Glacé machen, so eine hofeigene Glacéproduktion aufbauen. Ideen habe ich genug, damit ich sie umsetzen kann, würde ich noch ein paar Leute anstellen. 

Vielen Dank Stéphane für deine Zeit und das interessante Gespräch!

www.domaine-du-geissberg.fr

Domaine du Geissberg 
22 rue principale 
68480 BIEDERTHAL 
Frankreich

 

Interview, Text und Bilder
© Salome Lützelschwab

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